Multikulturalität und Gesellschaft

„National Identität als Hinderniss für die multikulturelle Gesellschaft: der Fall in Deutschland“ (Abstrakt Masterarbeit)

1st Prüfer : Prof. Dr. Jürgen Nowak

2 Prüfer: Prof. Dr. Suheyla Schröder

31.08.2011

Freie Universität Berlin

Julia Romero Villa

Diese Masterarbeit analysiert, wie nationale Identität als eine soziale Konstruktion die Anerkennung der Vielfalt verhindert und ein Hindernis für eine multikulturelle Gesellschaft darstellt. Dies ist eine deskriptive, analytische Arbeit, die Diskussionen und Theorien über Identität, Rasse, kulturelle Differenzierung und Geschichte als Mittel für Macht und Reproduktion diskutiert.

Dazu beschreibt und analysiert diese Arbeit auch Diskurse über das Konzept der Nation, mithilfe dessen Deutschland als Land gegründet wurde sowie historische Ereignisse, die die Wahrnehmung der nationalen Identität als Diskurse prägen wie der Holocaust, die deutsche Teilung und Wiedervereinigung sowie die Geschichte der Migration in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg.  Auch wird analysiert, wie die Übertragung einer nationalen Identität über ethnische und rassische Definition als ein Hindernis für die Anerkennung der Migrationsgeschichte in Deutschland selbst sowie die Integration der durch Migration gewonnenen neuen Mitglieder der Gesellschaft funktioniert. Die Arbeit beobachtet Deutschland aus dem Kontext seiner kolonialen und imperialistischen Vergangenheit, um Erklärungsansätze für soziale Ungleichheit, Konstruktion von Fremdheit und Zugehörigkeit zu finden. Das Konzept der Hybridität und kultureller Mischung wird vorgeschlagen, um Identität aus einer multidimensionalen Perspektive und im Prozess ständigen Wandels anzuerkennen. Dieses Konzept ermöglicht eine Interpretation nationaler Identität, aber wie weit könnte diese hybride Perspektive aud die deutsche Geschichte und Kultur Möglichkeiten eröffnen, Rassismus zu bekämpfen? Greift dieses Konzept auch, um Migration und den stark von ihr geprägten Generationen einen legitimen Platz in der deutschen Geschichte zu geben?

Das erste Kapitel konzentriert sich auf nationale Identität und stellt einen Zusammenhang zwischen Konzeption und Konstruktion von Gruppe und Diskursen über Identität, Macht, die deutsche nationale Identität als solche und die historische Übertragung von Identität als Medium der Mächtigen und Privilegierten.

Das zweite Kapitel thematisiert die Konstruktion und Instrumentalisierung der “Anderen” als Opposition zur nationalen Identität. Die Spannungen und Chancen, die Hybridität gegen kulturellen Reduktionismus bietet und eine Vorstellung von kultureller Heterogenität in der multikulturellen Gesellschaft werden auch thematisiert.

Das dritte Kapitel widmet sich schließlich der multikulturellen Gesellschaft in Deutschland. Die hybride Perspektive ermöglicht einen neuen Blickwinkel auf den Migrationshintergrund und kulturellen Synkretismus als einen Prozess der kulturellen Vermittlung. Die Notwendigkeit die Rolle von Menschen mit Migrationshintergrund als Ausländer zu entstigmatisieren, damit alle Menschen in der Gesellschaft als gleichwertig anerkannt werden, wird ebenfalls thematisiert. “Wir sind alle hybrid” einen Status, das nach Homi Bhabha alle Menschen teilen, welches auf die Multidimensionalität von Identität hindeutet.  In einem Kontext, wo sich hinter der Definition ethnisch-kultureller Gruppen Rassismus versteckt, werden folgende Fragen die Forschung leiten:

• Wie setzen sich Jugendliche mit Migrationshintergrund zur Geschichte des Nationalsozialismus in Beziehung?
• Inwieweit fühlen sich Menschen mit Migrationshintergrund der deutschen Geschichte verbunden?
• Inwieweit und auf welche Art beeinflusst Deutschlands imperiale Vergangenheit und deren rassistischen Hierarchien das heutige Verständnis von Anderssein

• Inwieweit stellt die Geschichte eine Hürde für die Anerkennung von Migranten als Teil der deutschen Gesellschaft?
• Inwieweit kann Anerkennung von Hybridität und kultureller Mischung die Auffassung von Reinheit der Rasse und Herkunft demystifizieren?

Diese Fragen leiteten die folgende Untersuchung. Obwohl die Geschichte des Nationalsozialismus immer noch Teil der deutschen nationalen Identität ist, ist die Identifizierung von Menschen mit Migrationshintergrund mit der Thematik nach wie vor schwierig. Doch ist die Geschichte des Nationalsozialismus nicht das einzige Hindernis für die multikulturelle Gesellschaft, denn die kolonialistischen Grundsätze, die diesen Ereignissen zugrunde liegen, formen noch immer einen Teil der heutigen Gesellschaft. Diese Grundsätze verwenden die Konstruktion des Anderen als Instrument für Diskriminierung und Ausgrenzung und befördern soziale Ungleichheit. Das eröffnet weitere Fragen, wie sich Geschichte als Erweiterung der Identität verwenden lässt, um die Zugehörigkeit zur Gruppe und deren Grenzen zu definieren.

Die Anerkennung von Hybridität als eigene kulturelle Form und als Teil einer prozessualen Transformation, die alle Menschen mit einschließt, nimmt sich nicht vor, eine unmittelbare Lösung für Probleme sozialer Ungleichheit anzubieten. Analysiert man diese mit anderem sozialen Handeln, kommunikativen Strategien oder Machtverhältnissen, kann das Paradigma reformuliert sowie kulturelle und soziale Unterschiede neu definiert werden. Damit können auch die Grenzen von konkreter Zugehörigkeit über Staatsbürgerschaft neu verhandelt werden. Auch wenn der Begriff Hybridität zur Kategorisierung instrumentalisiert werden kann, öffnet dessen Anerkennung einen Raum für die Bildung neuer Rollen für Menschen mit Migrationshintergrund in der deutschen Gesellschaft.

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